Dr. Helmut Martens

"Wissenschaft ist eine wunderbare Angelegenheit, solange man nicht von ihr leben muss" (Albert Einstein)

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In meinem Brotberuf habe ich als Sozialwissenschaftler gearbeitet, und als empirischer Sozialforscher habe ich dies immer im Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge, auf die politische Gestaltung und Gestaltbarkeit unserer Wirklichkeit getan. In den Zeiten eines "neoliberalen Einheitsdenkens" und einer "TINAPolitik" (there is no alternative) war wissenschaftliche Arbeit in dieser Perspektive oft ernüchternd und frustrierend. Bisweilen sah man sich dann als empirischer Arbeitsforscher der immer nur für begrenzte, wohl definierte Gegenstandsbereiche und Bedingungen gültige Aussagen zu treffen beanspruchen kann - veranlasst, noch intensiver zu reflektieren: über "das große Ganze", aber auch über das "ganz Persönliche". Die vorliegenden Prosatexte und Gedichte sind auch in diesem Sinne Versuche, mit literarischen Mitteln beizutragen zu Selbstverständigungen, derer wir heute dringender bedürfen als seit langer Zeit.

Der sozialwissenschaftliche Beobachter hat immer mit Menschen zu tun, aber er muss doch aus sein auf "Überindividuelles", auf übergreifende Prozesse, Systemzusammenhänge, Strukturierungen, Objektivierungen. Dies sind die Maßstäbe der Zunft. Und Manche, die solche Maßstäbe definintionsmächtig setzen, klammern den konkreten Menschen schließlich völlig aus ihren Theoriegebäuden aus. Der Mensch wird zur "Restgröße" systemisch verselbständigter Prozesse, die sich ihrer "AutoLogik" folgend fortschreitend weiter entfalten, von ihnen geformt, in sie eingepasst, ihnen unterworfen. Aber das Individuum ist auch das zugrundeliegende. Einzeln wie auch im Zusammenhandeln mit Anderen, bringt es die mit der Menge der Vielen geteilte Lebenswelt hervor, kann es sie auch bewusst verändern. Wer nicht nur professionell forschen will, sondern seine Ergebnisse auch professionell "an den Mann oder die Frau bringen" möchte, kann sich den systemtheoretischen Blick als letztlich bestimmende Orientierung nicht leisten. Das Funktionieren im gesellschaftlichen Teilsystem Wissenschaft ist ihm zu wenig. Er sucht die Rückbindung an die außerwissenschaftliche Praxis als die Praxis konkret handelnder Menschen. Also muss er immer auch Arbeitsbündnisse mit konkreten Personen eingehen können. In ihnen handelt er auch selbst neben seiner wissenschaftlichen Arbeit in Feldern außerwissenschaftlicher Praxis.

Dieses Handeln die Erfahrungen die man dabei macht, mit Anderen und mit sich selbst - reflektiert man gewöhnlich vor allem im Blick auf den Erfolg: Bei der Lösung eines Problems, dem Transfer von Wissen usw. Und dieser Erfolg stellt sich bei weitem nicht immer ein. Das drängt dann bisweilen dazu, die Perspektive wirklich umzukehren und die Analyseinstrumente auszutauschen. Ich jedenfalls fühle mich immer wieder dazu herausgefordert, die Menschen, die mir nahestehen, denen ich begegne und die vom ausufernden Arbeitsalltag allzu leicht an den Rand gedrückt werden ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Vor allem aber gilt das auch für das höchst subjektive eigene Erleben. Literarische Formen scheinen mir geeignet, dieses Besondere, sonst kaum bedachte, auszudrücken - und in diesen Formen mag es dann wiederum gelingen, auch das Allgemeine des Selbstseins und Selbstwerdens von uns Menschen sichtbar zu machen.


Zur Kurzprosa und den Gedichten auf dieser Seite

Seit der Einrichtung meiner Homepage gibt es diese Seite, Anfangs auch mit einem Essay über Lyrik und mit ausgewählten Gedichten, die nun in verschiedenen Lyrik-Bänden auf der Seite "komplette Bücher" zu finden sind. Ich bin sicherlich - die vier Jahre nach dem Ende meiner Erwerbstätigeit bestätigen das - sehr viel eher Wis-senschaftler als Lyriker. Aber vor allem lyrische Textproduktion hat meine Wissen-schaftliche Arbeit immer wieder begleitet, war Gelegenheit zu einem "verdichteten" Nachdenken über sie. Auf dieser Seite finden sich nun sieben kurze Prosatexte, denen ich jeweils thematisch eine Reihe von Gedichten zugeordnet habe. Fast alle diese Texte und Gedichte sind in den Jahren 2004 und 2005 entstanden, als ich meinen letzten großen Neuanlauf als empirischer Arbeitsforscher unternommen habe. Im Selbstverlag habe ich sie 2005 in kleiner Auflage als Printversion veröffentlicht. Hier sind sie als einzelne Blöcke eingestellt, die ich in den Folgejahren im einen oder anderen Fall um einzelne Gedichte erweitert habe. Das Spektrum ist breit. Es reicht von "aufsteigenden Erinnerungen" aus Kinderjahren über die Aufbruchsjahre nach der "bleiernen Zeit" bis zu den Irrwegen in die "Wissensgesellschaft" und zum Nachdenken über "literarische Begegnungen" oder zu "philosophischen Reflexionen".



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